Relaktation. Oder: Deine Stillbeziehung wiederbeleben

stillen

Wow. Relaktation!
Noch nie gehört und was dahinter steckt ist einfach phänomenal und zeigt mal wieder wie schlau und toll Mutter Natur ist.

{Jeder gesunde Mensch kann Milch geben}
Meine Recherchen zeigen ganz klar: Jeder gesunde Mensch kann Milch geben. Und damit meine ich wirklich „jeder Mensch“ – also auch bei Frauen, die noch nie schwanger waren und auch bei Männern dürfte dies (theoretisch) funktionieren.
Unglaublich!

{Induzierte Laktation und Relaktation}
Den Begriff „induzierte Laktation“ verwendet man, wenn man von einer Milchbildung (Laktation) ohne vorangegange Schwangerschaft spricht.
Die „Relaktation“ hingegen bezeichnet die erneute Milchbildung bei Frauen, die nach einer Pause des Stillens wieder damit beginnen.

{Warum das schlau ist}
Angenommen die Mutter würde bei der Geburt des Babys sterben. Das wäre doch fatal für das kleine Neugeborene! (Zumindest früher, als es noch keine Säuglingsnahrung gab…)
So ist es nur logisch und gut nachvollziehbar, dass Mutter Natur natürlich auch an diese Fälle gedacht hat und so unseren Körper mit allem ausgestattet hat, was man so braucht.
Jede Frau könnte sich nun um das Neugeborene ohne Mutter kümmern und die Brust anbieten (und das ganz gleich ob sie schon einmal schwanger war, oder bereits Kinder hat/te). Sie würde nach einiger Zeit erfolgreich das kleine Wesen stillen können.
Wie wunderbar! Wir Menschen halten alle zusammen :)

{Stress im Wochenbett}
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie stressig das Wochenbett bei meiner Tochter war in Bezug auf das Stillen.
Kaum war sie auf der Welt bekam ich kurz darauf von der Hebamme schon das Gefühl, dass ich sie jetzt dann langsam unbedingt anlegen müsste.
Tagelang kam die Hebamme regelmäßig vorbei, wog mein Kind, und machte Stress mit dem Stillen und bald mit dem Zufüttern (mit dem kleinen Röhrchen und abgepumpter Milch).

Das alles war so enorm willkürlich und stressig für mich. Ich konnte das alles gar nicht genießen und mir taten meine Brüste von dem vielen willkürlichen Anlegen ständig weh. Ich hatte das Gefühl keine gute Mutter zu sein und ständig diesen Druck, dass ich mein Baby alle 2 Stunden anlegen müsse.

Bei der Geburt von meinem Sohn, die da alls Alleingeburt stattfand, war keine Hebamme da, die mir hierbei Stress machen konnte.
Doch ich kam dennoch nicht zur Ruhe. Die Geburt war zwar ein Traum und ich war wenige Stunden danach sofort wieder fit und auf den Beinen. Doch das Stillen schmerzte und die Situation mit meiner Tochter (die seit Tagen fiebrig war und volle Aufmerksamkeit von mir brauchte; und erst das Geschwisterchen und alles Neue verarbeiten musste ) ließ mich noch weniger entspannen. So beschloss ich meinen Sohn nicht zu stillen. Ich kam mit der Gesamtsituation einfach nicht zu recht. Es war stressig, angespannt und ich war überfordert. Das Stillen tat weh, ich hatte keine Ruhe und bald auch keine Lust mehr. Also stillte ich ab.

{Erneute Milchbildung}
Damals hatte ich von diesem Wort noch nie etwas gehört. Leider. Und Schade.
Hätte ich davon gewusst, so hätte ich vermutlich meinen Sohn nach den anfänglich stressigen Tagen/Wochen erneut angelegt und mein Bestes gegeben, um ihn wieder (voll) stillen zu können.
Aber ich wusste nichts davon und in meinem Kopf war der Glaube verankert „einmal abgestillt, immer abgestillt“ und auch, dass die Milchbildung gar nicht mehr möglich war.

Als ich vor einigen Monaten auf diesen Begriff stieß, erhellte sich gleich mein Herz. Denn ich war so guter Hoffnung, dass dieses Wissen einigen Müttern wirklich helfen könnte. Vielleicht hast du auch noch nie davon gehört – es würde mich nicht wundern…

{Harte Arbeit?}
Laut Rechereche ist es aber „harte Arbeit“ wieder mit dem Stillen zu beginnen. Aber ich glaube fest daran, dass es gar nicht so hart ist, solange man sich selber keinen Druck macht und nicht in den Stress geht.
Ich denke es ist so ähnlich wie das erste Anlegen nach der Geburt: Auch hier kommt nicht sofort Milch und der Milchfluss braucht auch einige Tage oder sogar Wochen bis er wirklich in Gang kommt.

Und so ist es auch mit der Relaktation: Um Erfolge zu erzielen, muss man auch hier das Baby so oft wie möglich und so lange wie möglich an beide Brüste anlegen. Immer wieder versuchen und probieren und nach circa 14 – 50 Tagen sollte das Stillen wieder wunderbar funktionieren. Also durchhalten! Oder besser gesagt: Einfach experimentieren und Spaß daran haben :) Nicht darauf versteifen… Aber du kannst davon ausgehen, dass du viel Motivation, Zeit, Ruhe und Energie brauchen wirst für dieses Vorhaben.
Aber dein Kind freut sich vermutlich auch so, dass es so eng in deiner Nähe sein darf, auch wenn das mit der Relaktation nicht auf Anhieb klappen sollte. Du tust ihm also so oder so etwas Gutes. Wunderschön!

{Zweite Chance für Mütter}
Ich finde es einfach schön, dass ich nun weiß, dass der Milchfluss wirklich jederzeit wieder angeregt werden kann und somit jede Mutter eine zweite (oder dritte, oder vierte …) Chance erhalten kann ihr Kind zu stillen, falls der Wunsch in ihr ist und sie es – aus welchen Gründen auch immer – nicht sofort nach der Geburt geschafft hat.
Das ist doch fantastisch. Ich kann es gar nicht fassen :) Wieso hört man davon nicht öfter?

Wenn du unsicher bist oder nicht wirklich weißt, wie du es angehen sollst, dann kann dir hier vermutlich eine Still- und/oder Laktationsberaterin dabei helfen.
So wie ich bin würde ich es vermutlich mal auf eigene Faust probieren und ganz genau auf meinen Körper hören/achten – hätte ja nichts zu verlieren :)
Und höre auch auf dein Baby und spüre hinein was es möchte und was es braucht. Manche Babys wollen nach einer gewissen Zeit auch gar nicht mehr an der Brust gestillt werden, bei manchen klappt es schneller und bei manchen braucht man wohl länger.
Wichtig ist, was du möchtest und wie es dir dabei als Mutter geht.

{Hier noch ein sehr schöner Bericht einer Mutter, die guten Erfolg damit hatte}

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In dankbarer Liebe
Ariella Sophie

3 Kommentare zu “Relaktation. Oder: Deine Stillbeziehung wiederbeleben”

  1. Spannende Sache! Dass man den Milchfluss willkürlich mit Hormonen anregen kann, ist mir bekannt. Doch dass es auch einfach so geht (gehen soll), klingt noch viel besser! :-)
    Ich denke hier auch an Mütter-Paare, bei denen die zweite Mutter, die das Baby nicht selbst zur Welt brachte, auch einfach stillen könnte (wenn sie mag). Ohne künstliche Hormonzufuhr klingt das viel attraktiver!

    Danke auch für das Erzählen deiner Geschichte! Nicht zu stillen oder sich ganz bewusst gegen das Stillen zu entscheiden, ist in „Alternativen Kreisen“ ja stark verpönt. Dabei ist es immer eine gute Idee, auf das zu schauen, was mensch selbst möchte und für gut hält, als etwas zu machen, weil „mensch das eben so macht“, oder mensch es zwar toll findet, es aber zur aktuellen Situation nicht passt…

    Ich hoffe, dass deine Geschichte auch anderen Mut macht, auf Ihre Bedürfnisse zu achten! Gerade in Kombi mit dem Relaktations-Wissen! :-)

    Herzliche Grüße,
    Lucia

    1. Liebe Lucia :)

      Ich finde, dass den Müttern heute ernorm Druck gemacht wird mit den Aussagen, dass Stillen das einzig Richtige und Wahre ist und jede Frau das unbedingt machen sollte.
      Viele zwingen sich dann dazu und haben ein verkrampftes Stillerlebnis.
      Ich denke, auch dazu werde ich noch einen Artikel schreiben wollen :)

      In dankbarer Liebe

      1. Hallo Ariella Sophie!

        Danke für deine Antwort! :-)

        Ich finde, du hast recht. Und gleichzeitig wird auch Müttern, die Fläschchen geben, viel Druck gemacht. Es hängt stark vom Umfeld ab, in dem sich die Familie bewegt, ist meine Wahnehmung.

        Zum Teil hat sich dieser Stilldruck wahrscheinlich aufgebaut, um wieder ein Gegengewicht zur so populär gewordenen künstlichen Säuglingsnahrung zu schaffen.
        Doch heutzutage ist es relativ egal, was und wie eine Mutter mit ihrem Kind macht: es gibt immer mindestens eine Gruppe, die das für Blödsinn und sogar gefährlich hält.

        Ich versuche daher immer, die persönliche Entscheidung zu stärken oder objektive Infos zur Entscheidungsfindung zu geben, gepaart mit dem Fokus auf die eigenen und familiären Wünsche und Bedürfnisse. Mensch selbst muss ja täglich mit sich leben -nicht der Nachbar oder die Mutter vom Spielplatz 😉

        Dann bin ich schon mal gespannt auf deinen neuen Artikel dazu! Denn dazu, wie Frau tatsächlich eine entspannte (Ab-)Stillbeziehung führt, gibt es noch zu wenig Infos, finde ich! Ich plane etwas in ähnlicher Weise, da es beim Stillen ein paar Dinge gibt, über die konsequent geschwiegen wird und damit Probleme verursacht, die vielleicht leicht lösbar wären.

        Herzliche Grüße!
        Lucia

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