Finanzielle Abhängigkeit mit Mutter-Kind-Pass Untersuchungen. Oder: Wie wir uns verkaufen

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Ich hasste die Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen meiner Kinder. Nie wollte ich dorthin fahren und bereits Tage vor dem Termin war ich unrund, nervös und schlecht gelaunt.

Damals machte ich mich abhängig von der finanziellen Unterstützung dieser Untersuchungen und versuchte mir immer wieder zu sagen „Ist ja nicht so schlimm; Ist ja gleich vorbei; Ich bekomme dafür Geld … „
Aber im Grunde wusste ich, dass ich mich und meine Kinder irgendwie damit „verkaufte“.
Ich tat etwas das ich nicht mochte, um dann dafür Geld zu bekommen.

Wie widerlich.

{Gesunde Kinder}
Ich hatte keine Lust darauf, dass meine kleinen Babies gewogen, vermessen und unter die Lupe genommen wurden.
Man musste sie ausziehen, es wurde in ihre Augen geleuchtet, in ihren Mund geguckt, an ihnen herumgezogen, Daten eingetragen, Meinungen vertreten, Rezepte verschrieben, der Stempel gegeben und eine Rechnung gestellt…

Ich wusste immer, dass meine Kinder gesund waren. Ja klar, manchmal hatten sie etwas Schnupfen oder auch mal Husten. Sogar das 3-Tage-Fieber hatte ich mit ihnen erlebt.
Aber nie spürte ich einen richtigen Grund zum Arzt mit ihnen zu müssen. Sie waren gesund. Was sollte ich dort?

{Der Stempel}
Es ging immer nur um diesen blöden kleinen Stempel. Dieser Stempel, der am Ende der Untersuchungen lieblos in das kleine Heftchen gepatscht wurde. Und damit konnte man sich dann wieder entspannen, sich zurücklegen und das Kinderbetreuungsgeld beziehen.

Die ganzen Untersuchungen waren sowas von unnötig… Durchgequält habe ich mich und meine Kinder damit.
Nur für diesen blöden Stempel.

{Abhängigkeiten}
Ich hasse Abhängigkeiten.
Ich möchte nichts geben müssen, um etwas zu bekommen, das ich gerne hätte.

Doch heutzutage ist man abhängig von dieser finanziellen Unterstützung genannt Kinderbetreuungsgeld.
Anfangs fand ich es auch noch ganz toll, nett und super praktisch. Ich dachte mir „Ja super, da bekomm ich einfach so Geld“.
Ich bekam ja auch relativ gut für meine Kinder und ließ mich natürlich darauf ein. Es war ja auch so normal und üblich, dass man dieses Geld annimmt und brav zu allen Untersuchungen läuft. Ein Klacks.

Ach Gott, wie ich es gehasst habe :)

Hier sieht man wieder, wie wir alle abhängig gemacht werden von Geld, Ärzten und Co.
Bloß in dieser Maschinerie drinnen bleiben und alles mitmachen. Gehört sich ja so. Und man bekommt auch etwas dafür – juhu …
Aber dieses grauenhafte Gefühl, das mich jedesmal vor und während den Untersuchungen überkam, das habe ich auch mitbekommen. Dieses Gefühl, dass man sich selbst verkauft. Dieses Gefühl, dass man etwas macht, das man gar nicht wirklich machen möchte. Auch wenn es bloß solch „kleine Untersuchungen“ sind.

Als wir mit unserem Sohn zur dritten Untersuchung fuhren streubte sich alles in mir.
Draußen war es windig, regnerisch, grau. Mein Sohn schrie die ganze Autofahrt über im MaxiCosi und ich hatte einfach genug von allem.
Die ganze Zeit wollte ich dort nicht hin – vermutlich hatte es mein Sohn auch gespürt – und meine Gedanken fuhren Looping in meinem Kopf.
Als wir einparkten sagte mir mein Gefühl, dass wir einfach wieder fahren sollten. Doch damals hörte ich noch zu wenig auf meine Gefühle und wir gingen brav zur Untersuchung und ließen wieder alles über uns und meinen Sohn ergehen.
Ich fühlte mich schäbig. Die unsympathische Ärztin hielt Vorträge über Impfen und Fleisch-Verzehr. Mein Sohn weinte die ganze Zeit und fühlte sich sichtlich unwohl. Mir tat das Herz weh. Ich wollte einfach nur noch fahren.

Die letzte Untersuchung ließ ich dann sausen. Ich war durch mit diesem Thema. Ich hatte keine Lust mit meinem gesunden Sohn zu irgendeiner willkürlichen Untersuchung zu fahren. Also machte ich keinen Termin aus und lebte einfach mein Leben.
Vermutlich bekomme ich deswegen noch eine Rückzahl-Aufforderung des KGBs in den nächsten Monaten zugesandt. Aber es ist mir egal. Sie können ihr Geld ruhig wieder haben. Hauptsache ich habe mich und mein Kind nicht länger mehr verkauft…

{Ich bin dagegen}
Ich bin dagegen, dass das Kinderbetreuungsgeld an diese Untersuchungen gekoppelt ist. Was ist der Sinn dahinter?
Ich wollte mich schlau machen und habe nachgefragt…

Folgendes kam dabei heraus:
„Die Mutter-Kind-Pass Untersuchengen wurden 1974 eingeführt und waren damals Voraussetzung um beim Finanzamt den sogenannten Mutter-Kind-Pass Bonus beantragen zu können.

Seit Abschaffung des Mutter-Kind-Pass Bonus, der im Familienlastenausgleichsgesetz geregelt war, und der Einführung des Kinderbetreuungsgeldes wurde dieser finanzielle Anreiz, die Mutter-Kind-Pass Untersuchungen auch durchzuführen, ins Kinderbetreuungsgeldgesetz übergeführt.“

Finanzieller Anreiz um Untersuchungen durchzuführen… Tolle Sache.
Man merkt auch hier, wie veraltert dieses ganze System ist. Seit 1974 war diese Regelung aufgrund eines Bonus, den es heutzutage gar nicht mehr gibt…
Wieso braucht es einen finaziellen Anlass um Untersuchungen durchführen zu lassen? Vermutlich, weil sonst die Ärzte gar keine Aufgaben mehr hätten…
Besorgte Mütter gehen mit ihren kranken Kindern meist sowieso zum Arzt – auch ohne finanziellen Anlass. Denn hier liegt der Fokus dann wirklich auf der Gesundheit des Kindes. Und man wünscht sich Rat.
Aber wozu soll man mit gesunden Kindern Untersuchungen durchführen? Arbeitsbeschaffung? Dass man nicht merkt wie überflüßig so ein Arzt oft ist?

Und dann gibt man uns noch das Gefühl, dass wir ja etwas dafür bekommen, wenn wir diese „freiwilligen“ Untersuchungen durchführen.
Wir müssen ja nicht, wir können. Und bekommen dafür.
Aber was nimmt man uns? …

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In dankbarer Liebe
Ariella Sophie

4 Kommentare zu “Finanzielle Abhängigkeit mit Mutter-Kind-Pass Untersuchungen. Oder: Wie wir uns verkaufen”

  1. Was für ein unendlich dummer Beitrag.

    Die Koppelung des Kinderbetreuungsgeldes ab die Mutter-Kind-Pass Untersuchungen ist, leider, enorm wichtig.
    Dadurch kommen nämlich Mütter zu den kostenlosen(!) Untersuchungen, die eine wichtige Vorsorgemaßnahme sind.
    Und nein liebe Mütter die ihr alles so gut erkennt: ihr seid keine Fachärzte und vieles wisst ihr nicht.
    Davon abgesehen fallen bei diesen Terminen auch Vernachlässigungs- und Missbrauchsfälle auf – Kinder die man ohne diesen „Zwang“ kaum zu Gesicht bekommen würde.

    Traurig genug, dass man Mütter mehr oder minder dafür bezahlen muss damit sie mit ihren Kindern diese Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen, die in anderen Gesundheitssystemen teuer privat zu finanzieren wären.

    1. Liebe Magda,

      ich empfinde trotzdem einen großen Unterschied darin, ob Geld an freiwillige oder verpflichtende Dinge gekoppelt ist. (bei allen Dingen)
      Das KBG ist toll – ich bin sehr dankbar, dass es diese Option hier in Österreich gibt.
      In meinen Augen sollte das KBG jedoch die Mutter/Familie finanziell entlasten, und zwar ohne Bedingungen.
      Das ist nur meine persönliche Meinung und diese muss natürlich niemand anderer mit mir teilen, verbreiten oder vertreten. Aber respektieren wäre schön.

  2. Danke für diesen Beitrag!!

    Bezüglich Magdas Kommentar: natürlich ist es toll, dass der Staat uns Frauen diese Untersuchungen „kostenlos“ zu Verfügung stellt, auf der anderen Seite – wir zahlen dafür Steuern. In einer Demokratie sollte jede Frau selbst bestimmen dürfen welche Untersuchung sie wann für angemessen hält. Als beispiel: ich sollte nun 3 Stunden fasten – schwanger im Hochsommer also 3 Stunden sogar auf Wasser verzichten – nüchtern im Labor 3 Stunden sitzen und 2x Blut abnehmen lassen – um *wie im Mutter Kind Pass vorgegeben* Schwangerschaftsdiabetes zu testen. Das obwohl ich keinen Zucker im Urin habe, es in meiner Familie keinen Fall von (Schwangerschafts)diabetes gibt, ich mich generell Zuckerarm ernähre und auch erst 24 bin (die Wahrscheinlichkeit für SS-
    Diabetes steigt mit dem alter). Ich finde es nicht gut, dass man mich 3 (bis zu 4) Stunden im Hochsommer ohne Wasser in der Stadt warten lassen möchte um diesen Test (nämlich ohne irgendeinen Verdacht, ganz im Gegenteil) durchführen zu lassen. Also bestimme ich für mich selber und mein Baby: nein, diesen Test lassen wir nicht an uns durchführen. Die Folge : 10% weniger Betreuungsgeld.

    Ja, der Staat erpresst uns Frauen mit dem Betreuungsgeld!

    Falls tatsächlich Missbrauchsfälle durch den Muki Pass aufgedeckt werden können, ist das natürlich ein positiver Aspekt. Gesunden Frauen mit selbstbestimmter Lebensführung sollten deshalb aber nicht mit medizinischen Tests erpresst werden müssen, um finanzielle Unterstützung zu bekommen.

    1. Liebe Sophie,

      das ist leider die traurige Realität :( Ich finde es sehr traurig, dass einem ein Teil (oder das ganze) KGB gestrichen wird, wenn man aus guten Gründen – selbstbestimmt und verantwortungsbewusst – auf gewisse Untersuchungen verzichten möchte, wenn da gar keine Notwendigkeit besteht.

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