Die Lotusgeburt. Oder: Eine langsame und sanfte Abnabelung

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Bei meiner ersten Geburt als Hausgeburt mit Hebammenbegleitung hatten sich mein Partner und ich entschlossen unsere Tochter als Lotusgeburt auf die Erde zu bringen.
So schön war der Gedanke von dieser sanften Abnabelung. Einfach mal in Ruhe ankommen, sich spüren und die neuen Eindrücke verarbeiten.
Vor knapp 2 1/2 Jahren fand man zu diesem Thema im Internet noch nicht viel. Man musste schon ein bisschen suchen, um genaueres zu erfahren.

Heutzutage ist das schon ganz anders – das Web sprudelt voller Informationen und Erfahrungen zum Thema Lotusgeburt.

 

{Lotusgeburt? Was ist das?}
Viele Mamas und Papas haben aber heutzutage das Wort „Lotusgeburt“ noch nie gehört oder können sich darunter auch nichts Konkretes vorstellen.
Klingt ja auch ein bisschen exotisch dieses Wort. Dahinter steckt aber etwas ganz Einfaches: So wie bei allen guten Dingen.
 
Im Grunde geht es darum, das Baby über die Nabelschnur mit der Plazenta verbunden zu lassen:
Also sobald das Baby und die Plazenta geboren sind, lässt man die Nabelschnur in Ruhe auspulsieren (so wie man es am Besten immer machen sollte) und anstatt die Nabelschnur dann jedoch durchzuschnibbeln, lässt man sie einfach in Ruhe.
So einfach ist das. Zumindest in der Theorie. In der Praxis muss man da schon auf ein paar Dinge achten.
 
{Und wozu das Ganze?}
Dadurch, dass die Plazenta bzw die Nabelschnur sich von selber vom Baby ablöst spricht man von einem sehr sanften und natürlichen Weg hier auf der Erde als Neugeborenes anzukommen.
Die „Erfinderin“ der Lotusgeburt (in der westlichen Welt) Claire Lotus Day, auf die auch der Name zurückgeht, war der Meinung dass eine Art Plazenta-Trauma entsteht, wenn man das Baby zu früh von der Plazenta abnabelt.
 
Ist ja auch leicht nachzuvollziehen, da die Plazenta eigentlich das erste Organ eines Menschen ist und man sehr lange Zeit im Mutterbauch damit in Verbindung steht. Es ernährt das Baby und ist irgendwie fast wie ein Zwilling. 
Die Plazenta ist Teil des organischen Systems des Babies. Claira Lotus Day war weiters der Meinung dass die frühe Abnabelung zu einer (unterbewussten) frühen Erfahrung von Verlust, Angst und Alleinsein führt. Nur durch eine Lotusgeburt ist die Vorraussetzung einer ganzheitlichen und sanften Geburt gegeben. Ohne traumatische Geburtserfahrungen. 
Es wäre einfach der natürlichste Weg.
Doch der Mensch neigt leider oft dazu sich immer und überall einzumischen und den Dingen nicht ihren eigenen Lauf zu lassen.
 
Die Gedanken von einer sanften Abnabelung ohne traumatische Geburtserfahrungen fand ich sehr schön, sodass ich gar nicht lange überlegen musste, um mich bei der Geburt meiner Tochter für genau diesen Weg zu entscheiden.
 
{Lotusgeburt: der Ablauf}
Falls du dich für eine Lotusgeburt entschieden hast, solltest du bereits vor der Geburt ein Sieb, einen Eimer oder einen Topf vorbereiten. In diesen wird die Plazenta nach der Geburt gelegt und erst mal das Kuscheln mit dem Baby genossen.
 
Nach ca. 3 Stunden Ruhe und Genießen könnt ihr dann beginnen die Plazenta einmal abzuspülen und – falls vorhanden – Blutklumpen vorsichtig zu entfernen.
Gebt die Plazenta in ein Sieb über einen Topf/Eimer und lässt sie mal für gut 24 Stunden abtropfen.
 
Am nächsten Tag kann man die Plazenta dann liebevoll abtrocknen. Die Nabelschnur ist in der zwischenzeit schon eingetrocknet, dunkel und hart geworden.
Nur das letzte Stückchen beim Nabel vom Baby ist noch weicher und biegsam.
Falls die Nabelschnur in einer unpraktischen Form eingetrocknet ist und irgendein Problem darstellt beim Kuscheln oder Tragen mit dem Baby, dann könnt ihr die Nabelschnur mit einem Lappen wieder anfeuchten und verbiegen. Sie trocknet dann von selber wieder.
 
Nun wird die Plazenta ordentlich mit viel Salz eingedeckt. Nehmt Himalaya Salz, aber kein Meersalz (das ist zu feucht). Durch das Salz verliert die Plazenta schneller die restliche Feuchtigkeit und sie wird weder faul noch übel riechend. 
Wickelt sie dann in ein Bauwolltuch ein und gebt sie wieder in das Sieb oder einen Topf. Es sollte aber genug Luft rankommen und es sollte für dich als Mama und für das Baby natürlich bequem sein.
Schließlich wirst du ja mit dem Baby kuscheln wollen oder es tragen und stillen. Und da muss dann auch die Plazenta immer mitgenommen werden, da sie ja noch an deinem Baby hängt.
 
Die Plazenta sollte nun jeden tag mindestens 1 mal (oder 2-3 mal) richtig schön eingesalzen werden. Das alte Salz entfernt ihr und neues Salz gebt ihr wieder hinzu. Wieviel Salz ihr braucht könnt ihr intuitiv entscheiden, aber sparen müsst ihr da nicht.
So wird sie schön haltbar gemacht und ihr könnt sie – auch noch nachdem die Nabelschnur abgefallen ist – noch rumstehen lassen und bestaunen.
 
In der Regel spricht man von 3-10 Tagen „Wartezeit“ bis die Nabelschnur vollkommen ausgetrocknet ist und sich von selber vom Nabel des Babies löst. Natürlich kann es auch schneller oder langsamer gehen. Es ist bei jedem unterschiedlich, aber auf jeden Fall immer der richtige Zeitpunkt, sobald es passiert.
Falls sie sich schon teilweise gelöst hat und ihr Angst habt, dass ihr sie aus Versehen durch zu starken Zug odes Ähnliches löst, dann war dies ebenfalls der richtige Zeitpunkt für die Abnabelung.
 
Bei unserer Tochter war das Abfallen nach etwa 5-6 Tagen der Fall.
Wir haben die Plazenta dann irgendwann in den Garten der Oma eingegraben und einen kleinen Baum darauf gesetzt.
 

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Ich freue mich, falls du dich für eine Lotusgeburt entschieden hast.
Aber auch hier gilt: Nur das was für dich und dein Baby einfach ist, ist gut.
Solltest du dich also im Laufe der Tage nach der Geburt mit der Plazenta überfordert fühlen, dann kannst du jederzeit immer noch abnabeln (aber am besten erst nach 24 Stunden nach der Geburt). Entscheide nach deinem Gefühl und intuitiv :)
Du machst immer das Beste für dein Baby, wenn es euch beiden gut geht.

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In dankbarer Liebe
Ariella Sophie

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