Die freie Menstruation. Oder: Es geht auch ohne Tampons

roterose
 

Als ich als Mädchen zum allerersten Mal meine Periode bekam, war es fast wie ein kleines Volksfest. Viele Klassenkolleginnen hatten sie bereits. Ausgestattet mit Binden und Tampons war ich also bereit dafür. Ich freute mich irgendwie darauf.

Und als es dann endlich so weit war, war mein erster Griff natürlich sofort zu den Tampons.
Da merkte ich, dass das Einführen ohne Übung und Erfahrung viel schwerer war, als ich dachte.

Total verkrampft, unentspannt, nervös und gestresst versucht man als Teenie diese scheinbar winzigen Dinger in sich reinzustopfen. Dass dem Körper das eigentlich gar nicht gefällt wird ignoriert und fleißig weitergestopft.
Entweder man hat Erfolg, oder man greift enttäuscht zur Binde, um den Tampon-Versuch dann erst beim nächsten mal erneut zu probieren. Hat man es geschafft, freut man sich total. Aber warum eigentlich… ?

{Der monatliche Fremdkörper in dir}
Tampons, aber auch die modernen Moon-Cups (oder Menstruations-Tassen), machen eigentlich nur eines: Sie „verstopfen“ deinen Körper, sie blockieren deinen Körper. Sie lassen dich nicht fließen.
Das Bewusstsein, dass diese künstlichen Dinge eigentlich Fremdkörper sind, ist verloren gegangen. Man empfindet es als praktisch, sicher, nutzvoll und vorallem als normal.
Aber eigentlich ist das ganz und gar nicht normal sich jeden Monat irgendetwas Künstliches in die eigene Vagina zu stopfen – und das ganze am Besten auch noch total verkrampft und so schnell wie möglich.

{Verkrampfte Vagina}
Also bereits im Teenie-Alter, wenn die Periode beginnt, fangen die Mädchen an ihren Körper und die Vagina zu verkrampfen, indem sie Tampons und/oder Menstruations-Tassen in sich einführen, um das Blut damit aufzufangen. Selbst wenn es schon weh tut, versucht man sich diese Dinger irgendwie einzuführen, denn man möchte ja nicht einfach so „rumbluten“ und hat die tiefsitzende Meinung, dass man diese Dinger braucht; jeder macht das doch so.

Doch keine Vagina möchte etwas lieblos und willkürlich reingestopft bekommen, das den Körper „zu“ macht. Die einzig normale Reaktion darauf: Verspannung, Anspannung, Zusammenziehen, Verkrampfung, Verhärtung, Taubheit, Abstumpfung.

Hier fängt das Disaster schon an. Weg vom eigenen Körpergefühl, weg vom Frau-werden und weg vom Frau-sein.

{Regelschmerzen und Geburtsschmerzen}
Da mag es einen nicht wundern, wenn Frauen über Kreuzschmerzen und Bauchschmerzen während ihrer Periode klagen. Denn wenn der Körper und die Gebärmutter schon so verkrampft sind, dann tut das menstruieren natürlich auch mehr oder weniger weh.
Ich war eine jener Frauen, die sich am ersten Tag ihrer Periode mit grausamen Kreuzschmerzen weinend im Bett herumrollte. Klar – so verkrampft wie da unten alles schon war… Dieses ständige verkrampfte einführen der Tampons und die generelle Unbehaglichkeit während meiner Tage.
Und bei der ersten Geburt brachten mir diese Verkrampfungen der Gebärmutter auch enorme Geburtsschmerzen.

Jetzt nach zwei Geburten hat es sich verändert, denn durch den Geburtsprozess wurde alles wieder weicher, offener und entspannter.
Aber es könnte ja für andere schon von Anfang an so sein. Ohne dass man seinen Körper überhaupt in diese Verkrampfung treibt.
Dann hat man schmerzfreie Perioden, schmerzfreie Geburten und einen entspannteren Allgemeinzustand.

{Den Körper kennenlernen}
Doch es wäre so wichtig für uns Mädchen und Frauen den eigenen Körper richtig kennenzulernen. Und das geht nicht, wenn man sich da einfach in der Menstruations-Zeit etwas reinstopft und das dann alle 3 Stunden wechselt. So lernst du deinen Körper bestimmt nicht kennen.

Beobachten, Empfinden, Erforschen, Reagieren – das wären die angebrachte Verhaltensweisen beim einsetzen der Periode. Schon im Teenie-Alter sollte man damit beginnen, denn dann lernst du deinen Körper sehr gut kennen und kannst deine Blutung „kontrollieren.“

Was vielleicht viele nicht wissen oder vielleicht auch noch nie darüber nachgedacht haben (warum denn auch, mit Tampons in der Vagina muss man nicht mehr viel über die Blutung nachdenken): Die Monatsblutung rinnt nicht ständig aus einem heraus. Die Blutung wird von der Gebärmutter gesammelt und dann in gewissen Zeitabständen in Schüben abgegeben. Wenn man dies beobachtet, kann eine geübte Frau das auch ganz gut spüren, wann die nächste Entleerung stattfindet.

{Frei menstruieren}
Und wie geht das jetzt wirklich?
In unserer hektischen Zeit ist das natürlich nicht mehr so einfach. Wenn man damit beginnen möchte, sollte man sich Zeit nehmen, um den eigenen Körper wieder kennenzulernen und die Blutung zu beobachten.
Wenn du merkst, dass sich die Gebärmutter entleeren will, gehst du einfach entspannt auf die Toilette und lässt das Blut abfließen. Mit etwas Übung wirst du bald selber rausfinden wie es am besten abließt – Manche Frauen helfen ein wenig nach, indem sie mit dem Beckenboden „anschieben“ oder versuchen zu „drücken“. Beobachte, experimentiere und vorallem: lass dir viel Zeit.
Zur „Absicherung“ kannst du noch Binden benutzen, bis du den Dreh raushast. Hier empfiehlt sich eher eine Stoffbinde, als eine aus Plastik. Du kannst dir auch selber eine Einlage machen.

{Und in der Nacht?}
Nachts, wenn du schläfst und liegst, läuft eigentlich kein Blut einfach so aus dir heraus. Vielleicht hast du es selbst schon mal gemerkt, dass deine Binde morgens meistens noch sehr sauber ist (Bei Tampons kann man das meistens nicht so gut beobachten). Das Blut sammelt sich in der Gebärmutter und wird erst rausgeleitet, wenn du wieder aufstehst. Hier genügt es also, wenn du dich vor dem Schlafengehen entleerst und direkt nach dem Aufstehen die Toilette aufsuchst, um das angesammelte Blut von der Nacht abfließen zu lassen.
So einfach wäre das.

{Alternativen}
In Wahrheit gibt es keine Alternative zur freien Menstruation. Sie ist das Beste, das du dir und deinem weiblichen Körper gönnen kannst.
Für die Übungsphase empfehle ich wie gesagt Binden – aus Stoff. Oder andere Baumwoll-Einlagen, die sich für dich gut anfühlen.
Kommst du mit der freien Menstruation gar nicht zu recht, gib nicht gleich auf. Manchmal dauert es einfach länger wieder zum eigenen Körpergefühl zu finden. Aber es lohnt sich.
Gehe es spielerisch, geduldig und ohne Druck an. Experimentiere einfach und lass dich darauf ein. Du wirst bestimmt bald merken, wie du auf deinen Körper reagieren musst.

Auf keinen Fall würde ich dir zu Tampons oder Menstruations-Tassen raten. Sie verkrampfen dich und deinen Körper. Bleib lieber bei (Stoff-)Binden, wenn du dich ganz ohne Hilfsmittel nicht sicher und unwohl fühlst.
Wobei „normale“ Binden mit viel Chemie vollgepumpt sind und deine Regelblutung sogar verlängern kann… Achte auf Binden aus reiner Bauwolle ohne Chemie oder besorge dir waschbare Stoffbinden :)

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In dankbarer Liebe
Ariella Sophie

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