Alleingeburt in Österreich. Oder: Bin ich strafbar?

babyfuss

Gesetze sind von Land zu Land unterschiedlich. Dort gibt’s die Todesstrafe, wo anders ist sie verboten. Dort darf man abtreiben, wo anders ist es eine Schande. Dort darf man Zuhause gebären, wo anders ist es verboten. Dort darf man alleine gebären, wo anders ist es untersagt. Gesetze sind willkürlich festgelegt und von imaginären Strichen, die nur auf der Landkarte sichtbar sind, von einander getrennt.

Während in alten Völkern und Kulturen niemand daran dachte Gesetze zur Geburt aufzustellen, wird dies hier bei uns anders gehandhabt.

{In Österreich sieht das so aus}
Es gibt ein Gesetz, dass das Gebären alleine grundsätzlich “verbietet”.
Dieses Gesetz ist lustigerweise im Hebammengesetzt verankart – wurde also von Hebammen mehr oder weniger erfunden.

Dieses lautet:

Beiziehungspflichten der Schwangeren, Gebärenden und Wöchnerin

§ 3. (1) Jede Schwangere hat zur Geburt und zur Versorgung des Kindes eine Hebamme beizuziehen.
(2) Ist die Beiziehung einer Hebamme bei der Geburt selbst nicht möglich, so hat die Wöchnerin jedenfalls zu ihrer weiteren Pflege und der Pflege des Säuglings unverzüglich eine Hebamme beizuziehen.

Mir kommen da sofort ein paar Fragen in den Sinn:
1. Wie kann mir überhaupt irgendjemand vorschreiben wie, wo oder mit wem ich mein Kind zu gebären habe?
2. Was hat das Hebammengesetz bitte eigentlich mit mir zu tun? Ich bin ja keine.
3. Wieso habe ich eine Pflicht gegenüber einem bestimmten Berufststand?
4. Wie kann mir jemand vorschreiben ich müsse für mein gesundes Kind unverzüglich eine Hebamme für das Wochenbett hinzuziehen?

Irgendwas läuft da nicht ganz richtig. Ich hab mich da jetzt ein bisschen schlau gemacht und folgendes ist dabei herausgekommen:

{Gesetz ohne Strafe}
Fakt ist: Es ist ja auch egal.
Das Gesetz ist zwar im Hebammengesetz verankert und irgendwie handelt man auch gesetzwidrig wenn man sein Baby geplanterweise allein auf die Welt bringt, aber: es ist straffrei. Paradox und lustig, oder?

Also ein Gesetz ohne Strafe, wenn man dagegen “verstößt”. Klingt fast so, als würde man dieses “Gesetz” sowieso nicht ernst nehmen und vielleicht dient es ja auch nur zur Geldbeschaffung für die Hebammen. (Nichts gegen Hebammen! Aber wenn man keine möchte, sollte man auch keine Pflicht haben eine hinzuziehen zu müssen).

{Mögliche Folgen}
Was jedoch möglich wäre (ich sage hier: möglich wäre. Also kein Grund zur Panik) ist, dass das Jugendamt mal vorbeikommt.
Aber was sollen die schon machen, wenn das Baby kerngesund ist und alles hormonisch ist und wunderschön? Naja: nichts.
Und außerdem: Hey, ihr müsst ja nicht jedem Ungustl auf die Nase binden, dass ihr eine Alleingeburt geplant hattet. Es kann ja sowieso niemand beweisen, also behaltet es einfach für euch, erzählt es nur euren Liebsten oder seit einfach gewappnet für solche Menschen, die sich gerne überall einmischen wollen.

{Geburts-Komplikationen}
Ein bisschen komplizierter wird es jedoch, wenn dein Baby nicht gesund zur Welt kommt oder sogar stirbt.

Dies braucht dir jedoch bitte keine Angst machen: Wenn du und dein Baby gesund seid, dann verläuft eine Alleingeburt ja in der Regel auch total entspannt und unkompliziert :)

Nur zur Info und für den Fall der Fälle geben ich folgendes weiter, das ich von einer Hebamme erfahren habe:
»Das Kind „wegnehmen“ können sie einer Frau nur, wenn Gefahr in Verzug ist. Das ist etwas was das Jugendamt bzw. die zuständige Sozialarbeiterin entscheiden müssen. Nur weil die Geburt ohne Hebamme war, kann da glaube ich nichts passieren. Wenn bei der Geburt allerdings was schiefgeht und das Kind einen bleibenden Schaden hat oder gar stirbt, dann schauts leider schon anders aus. Bei einem toten Kind ermittelt grundsätzlich immer einmal der Staatsanwalt auf Fremdverschulden und da kann es tatsächlich passieren, dass die Eltern angeklagt bzw. verurteilt werden. Wenn die Eltern eine Hebamme hinzugezogen haben, dann wäre die Hebamme die Verantwortliche und somit diejenige, die verklagt werden würde – und eben nicht die Eltern«

{Bestärkung zur Alleingeburt}
Was ich dir mit diesem Artikel eigentlich sagen wollte: Ja du kannst dein Baby allein gebären, wenn du dir das wünscht und wenn du spürst, dass du das wirklich machen möchtest :) Du brauchst dir keine Sorgen machen ob du “strafbar” bist nur weil du diesen intimen Prozess ganz alleine für dich und dein Baby durchleben möchtest.

Lies dir dazu auch diesen aufschlussreichen Artikel von Jobina Schenk (Meisterin der Geburt) durch. Sie ist zwar aus Deutschland, aber es trifft wohl auch fast alles auf Österreich zu :)

Nach meiner Alleingeburt könnte ich mir auf jeden Fall nichts anderes mehr vorstellen als eine Alleingeburt. Mein drittes Kind würde ich bestimmt wieder als Alleingeburt auf die Erde bringen wollen.
Und genau aus diesem Grund gibt es überhaupt meine Webseite und diesen Blog: Weil ich gespürt habe wie kraftvoll und wunderbar so eine Alleingeburt ist. Das sollen viele Frauen in Österreich erfahren dürfen und deswegen möchte ich diese Inhalte und Informationen ja auch verbreiten.

Liebe (werdende) Mütter, folgt eurem Instinkt. Folgt eurer inneren Stimme und alles wird großartig sein :)

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In dankbarer Liebe
Ariella Sophie

6 Kommentare zu “Alleingeburt in Österreich. Oder: Bin ich strafbar?”

  1. Hallo Ariella Sophie!

    Ich bin gerade über deinen Blog gestolpert und musste mir natürlich gleich ansehen, was du zur Alleingeburt schreibst :-)
    Danke fürs Recherchieren und Mut machen! Jetzt habe ich auch einen österreichischen Artikel dazu, den ich bei Bedarf teilen kann. Finde ich gut! :-)

    Ich kann mir im übrigen nach meiner letzten Geburt (2. Geburt, 1. AG), die so entspannt und selbstbestimmt ganz alleine zuhause in der Badewanne stattgefunden hat, auch nichts anderes mehr vorstellen!

    Herzliche Grüße,
    Lucia

    1. Liebe Lucia,
      das freut mich wenn ich Mut machen konnte und umso mehr freue ich mich, wenn mein Artikel geteilt wird, um weitere Frauen & Mütter auch damit zu bestärken :)

      Alleingeburten sind einfach wunderschön <3 Dieses selbstbestimmte, harmonische und kraftvolle Erlebnis wünsche ich jeder Frau (die Kinder haben möchte).

      Herzvoll
      Ariella Sophie

  2. Hallo liebe Ariella Sophie,

    ich hätte da gleich eine Frage.:
    Was erzähle ich dann meinen Ärzten? Muss ich lügen und sagen das es eine „sturzgeburt“war oder kann ich da bedenkenlos sagen das ich es so wollte?
    LG Jaqueline

  3. Hallo Ariella Sophie!

    Wir sind auch davon überzeugt, dass eine Alleingeburt für uns und unser Kind das Beste ist.
    Nun die Frage, wie läuft das mit der Geburtsurkunde etc.?
    LG Sigrid

  4. Hallo Ariella Sophie! Dankeschön für diesen Artikel.. Ich habe es mir schon oft überlegt alleine zuhause mein Kind auf die Welt zu bringen. Es ist mein erstes Kind und ich habe ehrlich gesagt Angst davor ins Krankenhaus zu gehen, weil ich darüber Dinge gehört habe die für mich schrecklich geklungen haben. Ich habe gehört, dass der Mutter das Kind sofort weggenommen wird und geimpft wird und dass die Nabelschnur auch gleich abgeschnitten wird. Ebenso hörte ich, dass das Baby gleich mit der fertigen Milch-Formula versorgt wird ohne dass ich vorher gefragt werde, anstatt dass es anschließend nach der Geburt an die Brust angelegt wird zum Saugen.. Das möchte ich alles vermeiden.. Ich habe zwar einen Platz in einem Krankenhaus bekommen, habe mir aber gedacht, dass ich behaupten kann, dass ich keine Zeit/Gelegenheit dafür hatte ins Krankenhaus zu fahren.. Ich habe Angst, dass ich Probleme mit dem Gesetz bekommen könnte.. Was könnte mir das Jugendamt antun? Ich hätte doch gerne eine Hebamme engagiert, aber dazu fehlt mir das Budget.. Was ist wenn es doch Komplikationen gibt? Kann ich das vorher irgendwie abschätzen ob die Geburt problemlos ablaufen wird? Liebe Ariella-Sophie du sagtest in deinem Artikel: „Ein bisschen komplizierter wird es jedoch, wenn dein Baby nicht gesund zur Welt kommt.“ wie kann ich das vorher schon wissen und wie hast du das genau gemeint? Und noch eine Frage: zu welchem Zeitpunkt könnte das Jugendamt vorbeikommen und was müsste das Jugendamt bei mir zuhause sehen um mir möglicherweise Probleme zu geben? Bitte um Hilfe

    Allerliebste Grüße
    Katerina

  5. Ihr Lieben.
    Ich kann euch keine rechtssichere Auskunft geben. Auch kann ich euch eure Verantwortung für eure Entscheidungen leider nicht abnehmen :)
    Ihr müsst niemanden anlügen, wenn ihr das nicht wollt. Wie das nach der Geburt mit der Geburtsurkunde abläuft ist ganz abhängig von eurer Gemeinde bzw dem Standesamt. Bei uns war es ein bisschen chaotisch, da der Beamte überfordert war, aber irgendwo kommt immer eine Lösung, wenn man gewillt ist eine zu finden :)

    Ich möchte betonen, dass jede Frau sich ihren Geburtsort aussuchen dürfen sollte. Einen Ort an dem sie sich sicher und geborgen fühlt und mit ihrem Baby in einer für sie sicheren Umgebung gebären kann – Ob das in einem Krankenhaus, einem Geburtshaus, Zuhause, im Wald, im Meer oder sonst wo ist, dass wisst und fühlt ihr Lieben alle am Besten :)

    Versucht nicht in die Angst zu gehen. Spürt in euch hinein was euch wichtig ist und fokussiert eure Kraft darauf. Verbindet euch mit eurem Baby und mit euch selbst. Ihr werdet spüren welcher Weg der richtige für euch ist und welcher nicht.

    Ich kann euch nur Mut machen, aber keine rechtssicheren Beistand leisten – Ich bin kein Rechtsanwalt und habe das Gesetz auch nicht studiert – auch möchte ich nicht, dass sich irgendjemand auf mich, meine Artikel und meine Aussagen „beruft“. Ihr seid freie Lebewesen. Handelt nach euren Impulsen, eurem Bauchgefühl und eurer Überzeugung.

    Herzvoll und mit den allerliebsten Grüßen an euch alle
    Julia Theresa aka Ariella Sophie

    PS: Entschduldigt bitte, dass diese letzten Kommentare so lange auf eine Antwort warten mussten. Meine Weiterleitung der E-Mails war nicht korrekt eingerichtet und ich habe alle erst heute entdeckt.

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